
Einer verbreiteten Auffassung zufolge schenkte Mill der utilitaristischen Tradition mit der Unterscheidung zwischen höheren und niederen Vergnügen („pleasures“) eine begriffliche Innovation und stützte seinen Utilitarismus ganz wesentlich auf die daraus erwachsene Axiologie, den sogenannten ‚qualitativen Hedonismus‘. Dieser sei jedoch inkonsistent, intellektualistisch und – wegen des lexikalischen Vorrangs höherer Vergnügen – letztlich absurd. Dieses philosophiegeschichtliche Vorurteil ist in mehreren Hinsichten verzerrt. Es ignoriert den ideengeschichtlichen Rahmen, missversteht den Gehalt des ‚qualitativen Hedonismus‘ und überschätzt dessen systematische Rolle in Mills Werk.