Vortrag in der Reihe Colloquium Fundamentale

Einer verbreiteten Zeitdiagnose zufolge seien gesellschaftliche Diskussionen – z.B. darüber, was man isst (“bio-vegan”), wie man reist (“flugschamlos”), spricht (“genderneutral”), sich kleidet (“fair”), die Wohnung heizt (“Wärmepumpe”) oder Geld investiert (“ethisch”) – in zunehmendem Maße moralisch aufgeladen, über Gebühr moralinsauer, eben durchweg moralistisch; und das sei schlecht, verfehlt, ein Missstand.
Doch stimmt das?
Um das herauszufinden, muss man zwei Fragen stellen, die in die Moralphilosophie fallen:
In diesem Vortrag möchte ich anhand dieser Fragen die Rolle der Moral und das Phänomen des Moralismus in öffentlichen Auseinandersetzungen aus der Perspektive der Moralphilosophie beleuchten. Damit lassen sich dann einige Vereinfachungen und Missverständnisse identifizieren, die der verbreiteten Zeitdiagnose manchmal zugrunde liegen.'